Mathegedichte
Nun lebt in Leib und Seel' der Leute, umschlossen vom Bezirk der Häute und ander'n warmen Kleidungsstücken, der Dichter fort, um zu beglücken.
(Wilhelm Busch)
Schon immer hat es mir Spaß gemacht, zu reimen und zu dichten (ich hätte wohl Klemptner werden sollen) und jetzt, da es das Internet gibt, kann ich hemmungslos meine Machwerke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.
Zum Literaturnobelpreis wird's wohl nicht reichen, aber wenn die/der ein oder andere über meine Gedichte etwas schmunzelt, dann ist der Zweck voll erfüllt. Und lernen kann man (womöglich) auch was dabei ...
Viel Spaß beim Lesen!
(Klaus Obert, Mathe+Informatik(+Sport)-Lehrer und einiges mehr)
Die e-Funktion
(von Klaus Obert)
Es schaut' aus ihrem Gartenhaus
die e-Funktion zum Fenster raus.
Ganz leise hörte man sie seufzen
und ab und zu die Nase schneuzen.
"Wär' ich doch nur nicht so verzwickt,
dass mancher mich so gar nicht blickt!
Wär' ich nur leichter abzuleiten,
die Schüler würden sich nicht streiten,
ob ich Produkt bin oder Summe.
Der Schüler ist doch nur der Dumme!
Und meine schiefen Asymptoten
gehören sowieso verboten!
Ach wär' ich doch nur ganz "normal",
ich wollt', ich wär' ganzrational!
Ich bin doch nur ein Ärgernis,
am besten, wenn ich mich verpiss'."
So sprach sie, packte ihre Sachen,
und wollt' sich aus dem Staube machen.
Da kamen Wachstum und Zerfall
zur Tür herein mit lautem Knall
und riefen: "Oh wie lange schon
suchen wir Dich, oh e-Funktion!
Denn ohne Dich, da sind wir eigen,
da lassen wir uns nicht beschreiben.
Und das zu tun ist immer wichtig
drum bist Du bei uns beiden richtig!"
Wie lachte da die e-Funktion
und ging mit ihnen schnell davon.
Kurvendiskussion
(von Klaus Obert)
Vor 20 Jahren gab es schon
im Abi Kurvendiskussion.
Bis heute hat sich dieser Brauch
gehalten, darum gibt es auch
noch heute anstatt Apfelkuchen,
eine Funktion; zum untersuchen!
Die Ableitungen eins, zwei, drei
die kriegt man meistens schnell herbei.
Ist unser f ganzrational,
die Hochzahl vorne dran mit 'Mal',
sodann um eins erniedrigt diese
und fertig, wirklich ohne Krise.
Besond're Regeln wendet man
auf andere Funktionen an.
Zum Beispiel bei der e-Funktion
da braucht man oft, Du weißt es schon,
egal ob Mädchen oder Flegel,
die heißgeliebte Kettenregel.
Ist's ein Produkt, ist's ein Quotient?
Egal (wenn man die Regeln kennt)!
Als nächstes setzt man f von x
gleich Null und löst die Gleichung fix,
wobei der Grad die Art bestimmt,
welches Verfahren man so nimmt.
Grad kleiner drei ist kein Problem,
bei größer zwei, da wird's erst schön!
Beim dritten Grad muss man probieren
und Polynome dividieren,
beim vierten Grad, man ahnt es schon,
hilft eventuell Substitution.
Zuvor jedoch wäre es löblich,
zu prüfen, ob es denn nicht möglich,
statt über die Funktion zu jammern,
viel besser etwas auszuklammern!
Denn wenn sich dieses tuen lässt,
dann kriegt man auch ganz schnell den Rest.
Sodann, auch wenn man leise klagt,
sind die Extrema noch gefragt,
wozu man, wenn noch nicht gescheh'n,
f Strich gleich Null setzt, bitte schön.
Jetzt kommt endlich und mit Schwung
zum Zug die zweite Ableitung.
Gibt's in diese eingesetzt
etwas Positives jetzt,
dann ist just an dieser Stelle
ein Tiefpunkt (oder eine Delle).
Wenn es aber Minus war
ist's ein Hochpunkt, alles klar?
Man setzt f zwei Strich Null geschwind
und weiß, wo Wendepunkte sind.
Jedoch darf man an dieser Stelle
nicht ruhen, sondern man muss schnelle
f drei Strich prüfen, wenn's beliebt,
damit dies nicht die Null ergibt.
Ist einem f drei Strich zu schwer,
"Vorzeichenwechsel", bitte sehr.
Auch dieser liefert uns am Ende:
an diesem Punkt, da ist die Wende!
Es hilft (und nicht nur bei den Noten),
berechnet man die Asymptoten.
Wo die sind stellt man einfach fest
indem man x nur wandern lässt.
Nach plus und minus (was verständlich)
und zwar schnurstracks gegen unendlich.
Wenn dieses einen Grenzwert brächte,
dann wär' es eine waagerechte.
Wenn nicht, so ist es halt im Leben,
kann's immer noch 'ne schiefe geben.
Dann gibt's noch Pole, wo 'ne Lücke
im Def.bereich, drum prüf' den bitte!
Wenn alle Hürden überwunden
und alle Werte sind gefunden,
dann steht am Schluss der Mühen Lohn
man darf sie zeichnen die Funktion,
was einem, wenn sie gut gelingt,
nicht wenig gute Punkte bringt!
Und wenn das Abitur geschafft
und Du bist froh und abgeschlafft
und Du singst lallend frohe Lieder:
vergiss das Ganze einfach wieder!
Das neugierige x
(von Klaus Obert)
Ein x, es war noch ziemlich jung,
hing einfach in der Gegend rum.
Es hing Mal hier und hing Mal da
und staunte, was es alles sah.
Aus Jux, wie man so manches tut
steckt' es 'ne 2 sich an den Hut.
Nun war es nicht mehr linear
und fand das Ganze wunderbar.
Doch plötzlich ging es Hurzel-Purzel,
es stolperte über ’ne Wurzel.
Das x kriegte ’nen Riesenschreck
und auch die 2 war wieder weg.
Dann nahm das Unheil seinen Lauf
es klettert' auf ein e hinauf.
Zuerst war es noch ziemlich munter,
doch dann kam es nicht mehr herunter!
Egal, wie es auch zerrt und flennt,
es klebte fest: als Exponent!
Es kam zuerst ’ne Addition
und ging ergebnislos davon,
auch Mal und Minus haben’s probiert,
und sich dabei ganz schön blamiert.
Sogar die Wurzel von vorher
erreichte nichts, es war zu schwer.
Ein alter Logarithmus schließlich,
nicht sehr beliebt, doch äußerst friedlich,
erlöste unser armes x
und holt’ es runter; ging ganz fix!
Da freut’ sich uns’re Unbekannte
und ging nach Hause, nein, sie rannte,
und backt’ zum Dank dem Logarithmus,
’nen Hefekuchen, und zwar mit Nuss!
Das folgende Gedicht habe ich für die Klasse 11/3 im Schuljahr 2000/2001 geschrieben (speziell für Cora* und Dora*, die Fragen fragen konnten, die man eigentlich gar nicht fragen können kann!)
(* die Namen wurden natürlich geändert)
Der Betrag
(von Klaus Obert)
Cora die mag Mathe nicht,
sie mag lieber ein Gedicht!
So kann ihr jemand etwas sagen,
für ihr Leben/ihre Fragen;
also gut, dann dicht' ich eben
(man hat's nicht immer leicht im Leben!).
Also: der Betrag von zwei,
der ist zwei, es bleibt dabei.
Doch der Betrag von minus eins
der ist plus eins, sagt Karlheinz.
Wer das ist, ist nicht so wichtig,
auf jeden Fall ist dieses richtig!
Von minus der Betrag wird plus
weil man das Ganze umdreh'n muss!
Was ist nun der Betrag von x?
Das sagt uns erst mal eher nix.
Und wie so oft, jetzt höre man,
heißt die Antwort "Kommt drauf an!"
Denn x kann acht sein oder zwei,
auch minus sechs und minus drei,
und immer gilt wie schon gesagt
positiv ist der Betrag!!!
Ich nehm' für x ein Beispiel her,
minus acht ist mein Begehr.
Jetzt sag' man mir ganz flott und fix
was bitte ist denn "minus x"?
Richtig, acht, und zwar mit plus,
geht nicht anders, weil es muss.
Und "minus x" (Dora: vergleichen!)
ist positiv - trotz Minuszeichen!
Das liegt an dem bekannten Schluss:
minus minus gibt halt plus!
Und Dora lernt, wenn auch recht spät:
nicht alles wo ein Minus steht
muss kleiner Null sein! Gut, es kann,
auf "was man einsetzt" kommt es an!
Und Cora lernt auf immerdar
dieses und das ist wohl wahr:
Die Schule lehrt gar vielerlei
für jede ist etwas dabei!
Es ist nicht alles negativ,
Betrag ist immer positiv!!!




